Coming Home

Liebe Leserinnen und Leser,

im letzten Newsletter habe ich über die achtenswerten Bedürfnisse gesprochen, die es zu berücksichtigen gilt, wenn man endlich "ankommen", seine Ziele erreichen und den eigenen Weg gehen will . Dabei spielt die Zugehörigkeit - insbesondere zur Herkunftsfamilie - immer wieder eine große Rolle.

Die Resonanz auf dieses Thema war groß. Viele waren regelrecht froh, dass ich ihre Sehnsucht, "nach Hause zurückgehen" zu wollen, einmal angesprochen und wertschätzend behandelt habe.

Wie ist es aber zu erklären, dass sich viele aus den Jahrgängen der Kriegsenkel immer noch danach sehnen, "nach Hause" zurückzukehren, obwohl sie längst ein eigenes Leben haben? Sollte nach wie vor so ein evolutionsbiologisches Programm wirksam sein? Ein Programm, das besagt: Achtung! Bleib' in deiner Herde, außerhalb lauert Gefahr! Aber heute bedroht uns doch kein Säbelzahntiger mehr. Da muss es noch etwas anderes geben.

"Seit über 25 Jahren lebe ich nun schon in Neuseeland und trotzdem habe ich den Wunsch, nach Hause zurück zu gehen," schreibt mir Astrid in einer Mail. Als ich sie nach ihren Gründen fragte, warum sie in so jungen Jahren so weit von "zu Hause" weggegangen sei, beginnt sie, eine typische Kriegsenkel-Geschichte zu erzählen.

Sie war schon früh diejenige, die "alles" in ihrer Familie geregelt hat. Sie sei eine wichtige Ansprechpartnerin sowohl für den Vater als auch für die Mutter gewesen. Schon als kleines Mädchen habe sie sich die furchtbaren Kriegserlebnisse des Vaters als 15-Jähriger Flak-Helfer und die Fluchtgeschichte der Mutter immer wieder angehört. Auch für ihre Geschwister war sie eine Art Ersatzmutter. Wie ist es ihr dabei ergangen? "Mich gab es gar nicht, immer nur die anderen." sagt sie. "Hatte ich selbst mal ein Problem, hieß es: Du schaffst das schon. Das habe ich schließlich auch. Ich musste ja. Meine Eltern waren von ihren Geschichten belastet und nicht erreichbar für uns." Und weiter sagt sie: "Hier ist mein Wunsch entstanden, so schnell wie möglich abzuhauen... mich irgendwie zu retten.

Auf der Flucht?
Oder auf der Suche nach sich selbst?

Das Interessante ist, dass sie als junge Frau von 20 Jahren Ende der 1970er Jahre eine gesellschaftliche Situation vorgefunden hat, die es ihr auch ermöglichte, ihrem Wunsch, ins Ausland zu gehen, zu folgen. Viele machen sich in der Zeit der 1970er, '80er und '90er mutig auf den Weg. "Wie alle, habe ich mich nach allen Seiten umgeguckt, habe viel experimentiert und geschaut, was zu mir passt." Sie habe Ethnologie studiert und wollte an der Uni "etwas werden". Für den Uni-Betrieb sei sie aber zu unkonventionell gewesen, sagt sie, zu umtriebig. Mit ihren neuen Ideen eckte sie an. Sie orientierte sich neu, machte zahlreiche Fortbildungen und ging konsequent ihren eigenen Interessen nach.

Marktkomptabilität hinsichtlich der Weiterbildung spielte in den Jahren für viele, auch für sie, oftmals keine Rolle. Angesagt war die "allseitig entwickelte Persönlichkeit" und nicht die unmittelbare Verwertbarkeit der Tätigkeiten und Abschlüsse. Irgendwann wurden die Marktbedingungen härter und Astrid musste feststellen, dass es nicht mehr so einfach war, von einem gut bezahlten und interessanten Job in den anderen zu wechseln. So landete sie schließlich hochqualifiziert auf einer Sachbearbeitungsstelle. Und dort ist sie bis heute tätig ist. Aber "zu Hause" fühlt sie sich hier keineswegs. Für die Kolleg*innen sei sie zu intellektuell und für ihre intellektuellen Freund*innen, die den üblichen akademischen Weg beschritten und Stellen an Unis bekommen haben, nicht "klassisch" gebildet. Manchmal heißt es von Freund*innen oder auch Kolleg*innen: Wo ist sie denn nun schon wieder unterwegs, wenn sie eine Fortbildung macht, die nicht unmittelbar mit ihrem beruflichen Fortkommen zu tun hat.

Sie selbst fragt sich immer wieder, wohin sie eigentlich gehöre. Sie passe nirgendwo so richtig 'rein, sei zu unkonventionell, für viele nicht einschätzbar, fast schon ein bisschen verrückt. Und zu guter Letzt: Am allerwenigsten verstehe ihre Herkunftsfamilie, was sie - ihre Tochter - eigentlich wolle. Vor diesem Hintergrund stellt sie sich dich Frage: Wo ist eigentlich mein Zuhause?

Zwischen allen Stühlen

Was wir an dem Weg von Astrid sehen können, ist exemplarisch für viele aus den Kriegsenkel-Jahrgängen. Sie sind im "Dazwischen" gelandet: Die "alte" Welt verloren und in der "neuen" Welt noch nicht angekommen. Kommt daher die große Sehnsucht, sich in vertraute Bahnen zu begeben und sich erneut an die Herkunftsfamilie zu wenden? Weil das Leben wie "zwischen allen Stühlen" erscheint? Wo alles ständig neu erfunden werden muss?

Das "Dazwischen" als eine Chance erkennen und gestalten!

Aber wo ist die "neue" Welt? Gibt es sie überhaupt schon oder muss sie erst erfunden werden? Und was heißt das? Kann das beispielsweise heißen, sich zu dem "Unkonventionellen" zu bekennen? Wäre dieses Anerkennen des "Anders-Seins" ein erster Schritt, sich seinen eigenen Platz zu schaffen?

Welche Chancen stecken in den besonderen Erfahrungen, die Sie in der Auseinandersetzung mit Ihren Familien und auch mit den besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen gemacht haben?

Wer den eigenen Lebensweg systematisch unter dieser Fragestellung betrachten will, dem lege ich meinen Online-Workshop ans Herz, der Ende September startet. Ihre einzigartigen Erfahrungen könnten sich als Goldgrube für Ihren Erfolg und auch für Ihre Zufriedenheit erweisen.

"Nutze die Kraft deiner Biografie für deinen Erfolg und deine Zufriedenheit! #Kriegsenkel"

Bewerben Sie sich hier für die Teilnahme: mailto(at)meyer-legrand.eu, Stichwort: Nutze die Kraft deiner Biografie! - Online-Workshop

In diesem Online-Workshop, der 3 Treffen auf "Zoom“ im Abstand von 3 Wochen beinhaltet und weitere individuelle Begleitung per Mail oder Einzelsitzungen, untersuchen wir Ihre Biografie systematisch auf Ihre Kompetenzen hin. Zu welchen Expert*innen sind sie in der Auseinandersetzung mit Ihren familiären und gesellschaftlichen Herausforderungen geworden? Diese schon früh in Familie und anderswo eingeübten Kompetenzen können Sie zur Lösung Ihrer aktuellen Frage nutzen: Wie kann ich mich beruflich endlich richtig aufstellen? Wie kann ich eine befriedigende Beziehung führen? Wie gelingt es mir, endlich mal auf einem Arbeitsplatz zu bleiben? Es geht immer um Zukunftsentwürfe!

In diesem Prozess eröffnen sich neue Handlungsmöglichkeiten und vielen gelingt es, das eigene Geworden-sein zu verstehen und sich mit der eigenen Geschichte zu versöhnen. Das ist auch eine Art, "nach Hause zu kommen".

Zur Einführung empfehle ich mein Webinar, am 30. August, um 19 Uhr
Einführung in das POWER-GENOGRAMM für Therapeut*innen, Trainer*innen, Coaches, HPs

Wie nutze ich die Kraft meines Mehrgenerationen-Netzwerks für die Gestaltung einer erfolgreichen und zufriedenen Gegenwart und Zukunft? #Kriegsenkel

Präsenz-Workshop in Berlin, 7. September, Anmeldung hier: mailto(at)meyer-legrand.eu

Die Sehnsucht nach der Herkunftsfamilie kann aber auch noch auf eine andere Weise befriedet werden. Erstellen Sie doch einmal einen Familienstammbaum! Viele erkennen dann Gemeinsamkeiten zwischen sich und ihren Vorfahren und erleben das wie ein "Nach-Hause-Kommen".

Fragen Sie sich, welche Gemeinsamkeiten es zwischen Ihnen und Ihren Vorfahren gibt! Haben diese auch schon Brüche in der Tradition mit ihren Familien oder mit gesellschaftlichen Konventionen gemeistert? Mussten und durften sie sich auch schon neu erfinden? In welcher Tradition des Traditionsbruches stehen Sie? Und welche Kraft ziehen Sie daraus für Ihr Anliegen heute? Wer sich dafür interessiert: https://www.meyer-legrand.eu/veranstaltungen/

Letztmalig zum Schnupperpreis von 199 € + MwSt.

Diesen Präsenz-Workshop in Berlin kann man sich als ein Modul für die Ausbildung zum My Life Storyboard-Coach anrechnen lassen. Ab Anfang des Jahres können Sie sich endlich selbst vertraut machen mit dieser sehr effektiven, ressourcenvollen biografischen Methode und Sie in Ihrer eigenen Arbeit als professionelle Helfer*innen einsetzen!

Wer mehr darüber wissen will, trage sich hier in die Warteliste ein: mailto(at)meyer-legrand.eu , Stichwort: My Life Storyboard-Coach.

Schöne Angebote aus meinem Netzwerk

Bitte informieren Sie sich auch über die wunderbaren Angebote von einem der Pioniere der Kriegskinder/Kriegsenkel-Thematik Dr. Peter Heinl. Ich schätze ihn außerordentlich.

https://www.thinkclinic.com/de/thinkclinic/dr-peter-heinl/


Seit Mai arbeite ich mit Sabine Hanna Witte vom Achtsamkeitszentrum Now in Berlin/Mitte zusammen. Gerade für Kriegsenkel*innen ist der Aspekt der Selbstfürsorge/Selfcompassion ganz besonders wichtig. Sabine macht eine wunderbare Arbeit.Schaut doch mal in ihrem Berlin Zentrum vorbei. Es gibt ein schönes Programm!

http://www.compassion.berlin/

 

Mein neues Buch ist erschienen:

Die Kraft der Kriegsenkel

Das erste Buch über die positive Kraft der Kriegsenkel

Zu beziehen im Europa-Verlag.

18,99 € (D) / 19,60 € (A)
ISBN 978-3-95890-008-0, WG 1948

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