Live Call #Kriegsenkel

Emotionale Nomaden? - Die innere Rastlosigkeit der Kriegsenkel:innen.

Manchmal fühlen wir uns in Beziehungen wie Beobachter:innen unseres eigenen Lebens: immer bereit weiterzugehen, selbst wenn wir lieben. Viele von uns kennen das Gefühl, gleichzeitig da zu sein und doch innerlich auf dem Sprung. „Emotionales Nomadentum“, so könnte man es nennen. Ein Teil von uns bleibt wachsam, immer bereit wieder aufzubrechen, selbst wenn wir lieben und uns binden können. Es ist nicht aus Mangel an Liebe, sondern weil wir früh erfahren haben, wie sich emotionale Unverfügbarkeit anfühlt.

Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit

Wir sind nicht ohne Eltern aufgewachsen, aber oft ohne verlässliche emotionale Resonanz. Die (Kriegskinder-)Mütter waren körperlich da, doch innerlich erschöpft, überfordert oder selbst nie gehalten worden. Die (Kriegskinder-)Väter sorgten für die Familie, blieben aber distanziert, streng und emotional nicht erreichbar.
Ja, es gab Fürsorge. Aber echtes Gesehenwerden war selten.

Diese subtile Bindungslosigkeit hinterlässt keine sichtbaren Wunden, prägt jedoch die innere Landschaft. Kinder, die keine verlässliche emotionale Resonanz erfahren, lernen:

  • Ich muss mich selbst beruhigen.
  • Ich brauche nicht viel.
  • Ich bleibe innerlich beweglich - und halte Abstand.

Außerdem kennen wir Nähe selten als durchgehend sicheren Ort. Deshalb endet eine Beziehung oft nicht aus Lieblosigkeit, sondern aus einem alten Schutzimpuls.

Das Erbe der Unsicherheit

Hinzu kommt die Geschichte hinter der Geschichte: Großeltern, die Krieg, Flucht oder Verlust erlebt haben. Eltern, die selbst in emotionaler Kälte oder Überforderung aufwuchsen. Von ihnen bekommen wir oft die unterschwellige Botschaft:

Verlass dich nicht zu sehr auf andere. Alles kann sich von heute auf morgen ändern.

Innere Rastlosigkeit

Wenn Bindung nicht sicher war, fällt es schwer, ein festes inneres Zuhause zu entwickeln. Wir stellen fest: Wir können uns einlassen und zugleich die Fluchtwege prüfen. 

Viele spüren eine große Sehnsucht nach Ankommen.

Vielleicht geht es aber nicht darum, das Nomadische aufzugeben. Unsere innere Wanderung kann eine Antwort sein auf eine Kindheit, in der wir stark sein mussten und auf Bindungen, die uns nicht ganz tragen konnten. Vielleicht geht es darum, die Freiheit zu entwickeln, selbst zu entscheiden: 

Bleibe ich oder gehe ich? Und diese Entscheidung endlich frei von Angst zu treffen.

Um dieses Thema geht es im kommenden kostenfreien Kriegsenkel:innen LiveCall. Interessiert? Dann sei am 4.3.26, in der Zeit, von 19.30 bis 20.30 Uhr dabei.

Bist du dabei? Dann melde dich hier an: mailto@meyer-legrand.eu. Ich schicke dir den Link.

Herzliche Grüße
Ingrid

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